Über eine Umfrage evaluierte der Unterverband AS beim Personal die Stimmung

Multispace und Desksharing bei der SBB: Ja, aber….

In den neuen Bürogebäuden – Wankdorf, Wyler, Westlink, Aarepark sowie an den IT-Standorten – hat eine neue Arbeitskultur Einzug gehalten, verordnet von der Unternehmensleitung der SBB. Weg von den kleinen Büroeinheiten und hin zu den Grossraumbüros, neudeutsch Multispace bezeichnet und weg vom eigenen Schreibpult hin zum Desksharing. Damit will man einerseits den direkten Kontakt zwischen den Mitarbeitenden fördern und «kurze Wege» praktizieren und anderseits Büroplatz einsparen, da viele Arbeitsplätze wegen beruflich bedingten Abwesenheiten oftmals leer bleiben. Das Resultat der Umfrage ist sehr ambivalent ausgefallen.

329 Mitglieder haben sich die Mühe genommen, an der Umfrage mitzumachen, zwei Drittel davon arbeiten bereits mit Desksharing und das restliche Drittel erwartet dieses mit gemischten Gefühlen.

Was sogleich positiv auffällt ist, dass gut 75% Multispace gefällt. Auch die Einrichtung des Arbeitsplatzes und die IT-und Kommunikationsmittel werden gut bewertet. Das trifft auch auf die Rückzugsmöglichkeiten und die Sitzungszimmer zu. Da darf man der SBB attestieren, dass sie diesbezüglich die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst genommen hat. Was kaum anders zu erwarten war: Das Raumklima und die Geräuschimmissionen machen dem Personal zu schaffen.

Verständlich ist auch, dass diejenigen Kollegen, welche bereits mit Desksharing arbeiten, dieser neuen Arbeitsform gegenüber tendenziell positiver eingestellt sind als diejenigen, die Desksharing noch erwartet. Hier schwingen in den Antworten gewiss auch Befürchtungen mit, die allerdings auch ernst genommen werden müssen. Vor allem anderen wird hier die Tatsache genannt, dass Desksharing eben nicht für alle Mitarbeitenden geeignet ist. Es kommt hier im Wesentlichen auf das Aufgabenfeld an: Jemand, der sehr häufig auswärts ist, dessen Arbeitsplatz lässt sich problemlos durch andere Mitarbeitende nutzen. Ein Projektverantwortlicher indessen, der mit vielen Dossiers und Plänen gleichzeitig arbeitet, plädiert durchaus mit Recht auf einen «eigenen» Arbeitsplatz. Die SBB aber zieht das Desksharing fast doktrinär durch («alle»!), ohne diese unterschiedlichen Bedürfnisse in Erwägung zu ziehen, wie es uns einmal zugesagt worden war. «Ich kenne kein privates Ingenieurbüro, das mit Desksharing arbeitet», brachte es ein Kollege treffend auf den Punkt. Das war denn auch einer der überaus zahlreichen Kommentaren, die zusätzlich zu den «Kreuzchenfragen» abgegeben worden sind und die die Befindlichkeit des Personals treffend zum Ausdruck bringen.

Desksharing steht auch in einem engen Kontext mit Homeworking. Diese neue Arbeitsform wird von der Unternehmensleitung denn auch stark propagiert. Allerdings setzen dann sehr viele Vorgesetzte ihren Mitarbeitenden schnell wieder Schranken, indem sie ihnen oft nur einen Tag in der Woche zubilligen. Und es wurde uns auch zugetragen, es müsste da und dort Rapport über die Leistung zu Hause erstattet werden! An dieser Kultur des Vertrauens muss wohl noch sehr stark gearbeitet werden.

Mit der SBB werden wir nun das Gespräch aufnehmen und mit Immo über die Punkte reden, die auf Grund der Umfrageergebnisse zwingend verbessert werden müssen.

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