«Fährt die SBB in eine akademische Zukunft oder hat die Berufserfahrung noch ihren Platz?»

Der SEV-Kongress 2015 verabschiedete eine Resolution zum Thema «Mehr Anerkennung der Berufserfahrung bei der SBB», weil unsere Mitglieder eine schleichende Akademisierung der Berufsbilder wahrnehmen.

Im Rahmen einer Feierabendveranstaltung im Personalrestaurant «Sole» im Wankdorf übergaben SEV-Vizepräsident Manuel Avallone und Peter Käppler, Zentralpräsident AS, dem Leiter HR, Markus Jordi diese Resolution.

In einem Exposé unterstrich Jordi die Bedeutung der Berufserfahrung bei der SBB und führte aus, diese sei auch in Zukunft unerlässlich. Er hob indes auch hervor, dass die Zeiten sich geändert hätten und die Anforderungen an die Berufsleute heute wesentlich höher seien (Das anerkennt auch der SEV). In diesem Kontext gab er auch ein klares Ja zum dualen Berufsbildungssystem der Schweiz ab und hob auch das Engagement der SBB für sogenannte Attest-Lehren hervor.

Mit dem Blick auf das Engagement für die jungen Leute – die SBB beschäftigte am 1.8.2016 1517 Lehrlinge – honoriert der SEV dieses Engagement uneingeschränkt. Doch die Erfahrung erwirbt man später – und das Karrieresystem der SBB muss durchlässig sein. Es muss zulassen, dass auch der Aufstieg in Kaderposition für Berufsleute offen bleibt und für solche nicht eine akademische Ausbildung die Voraussetzung ist. Diese Durchlässigkeit, wie sie in der Resolution verlangt wird, ist für die Mitarbeiter wichtig. Das kam auch in der Replik von Manuel Avallone und in der Diskussion mit den Anwesenden sehr deutlich zum Ausdruck.

Das verlangt die Resolution:

Wir fordern deshalb die Verantwortlichen der SBB auf, der in der Schweiz bewährten klassischen dualen Berufsbildung wieder mehr Stellenwert einzuräumen, bei den SBB ausgebildete Mitarbeitende zu fördern und bei den Stellenausschreibungen die Chancengleichheit für Mitarbeitende mit Berufsbildung zu gewähren. Deshalb soll nicht immer zwingend ein Fachhochschulabschluss als Voraussetzung verlangt werden, bzw. bei gleichwertiger praktischer Erfahrung soll das Nachholen eines Fachhochschulabschlusses zugelassen werden. Im Stelleninserat soll die Möglichkeit eines nachträglichen Fachhochschulabschlusses explizit erwähnt und dadurch signalisiert werden, dass die SBB wieder vermehrt auf die Erfahrung des eigenen Personals setzt.

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